Ringen – Der Mattenfeger aus Speyer

Der 45-jährige Urij Makarov ist in der Verbandsliga meist schnell fertig

SPEYER. Sechs Minuten dauert ein Kampf nach den Regeln des Deutschen Ringer-Bundes. Urij Makarov vom AV 03 Speyer machte es auch in der Saison 2018 wesentlich kürzer. Der 45-Jährige brauchte für 13 Duelle der Verbandsliga Rheinland-Pfalz 16 Minuten, eine Partie war in 17 Sekunden vorbei.

Der Mann aus Kasachstan, ein Spezialist für die Ringkampf-Version Freistil, beherrscht die Szene der Gewichtsklassen 75 und 80 kg in der fünften Ringerklasse. Wer ihn "hantieren" sieht, hat keinen Zweifel, dass er nur unwesentlich länger gebraucht hätte, um seine Duellpartner in allen 16 Saisonkämpfen zu besiegen. Aber für drei Rundenkämpfe fand er keinen Gegner.

Warum wagt sich gelegentlich keiner gegen den "Alten" aus Speyer auf die Matte? Urij Makarov zuckt mit den Schultern. Tja, was soll ich da machen? scheint das auszudrücken. Der ringende Trainer der Speyerer Athleten, die er zusammen mit dem hauptsächlich für den Vereinsnachwuchs tätigen Kollege Achim Friedrich aus- und weiterbildet, ist auch als Mittvierziger zu gewandt für die oft 20, 25 Jahre jüngeren Gegner.

Den Wechsel zu höherklassigen Mannschaften schließt der Freistil-Spezialist Makarov aus, obwohl er in der Ober- und in der Regionalliga gewiss gut mithalten könnte. Er fühle sich wohl bei seinem Verein, sagt er. Und zudem sei er wohl schon zu alt um in höheren Klassen ständig mithalten zu können.

Makarov überlegt. Er sei in etwa 430 Kämpfen für Speyer und zuvor für den ASV Karthause-Koblenz ohne Niederlage geblieben, sagt er. Und stockt etwas. "Halt, das stimmt nicht ganz, ich hab' auch mal verloren. Gegen einen aus Nackenheim". Im September 2016 war das. Armin Forschner gewann die Partie in Speyer gegen den "Unbezwingbaren", in Verbandsliga-Kreisen so etwas wie eine Sensation.

Es hat den Anschein, als wolle sich der damalige Überraschungsverlierer im Nachhinein beim Schreiber dieser Zeilen entschuldigen. "Das war im Griechisch-Römischen, das ist nicht so sehr mein Fall. Und außerdem war ich damals in der Vorbereitung auf einen Einsatz bei der Masters-Weltmeisterschaft und habe deshalb ein paar Kilo runter gemacht gehabt, um dort eine bessere Chance zu haben". Gewichtmachen kostet bekanntlich Kraft.

Zweimal rang Makarov,  viermal Deutscher Meister der Masters, bei Welttitelkämpfen dieser  zwischen 35 und 60 Jahre alten Athleten. 2013 in Sarajewo war er Dritter, 2016 im polnischen Waldbrzych Zweiter, jeweils im freien Stil der Klasse bis 70 kg.

2018 will er es noch einmal versuchen, der WM-Ort steht noch nicht fest. Aber egal, wo: Für den ehrgeizigen Sportsmann könnte es morgen schon losgehen. "Ich bin jeden Tag im Training" sagt er, "jedes Mal etwa dreieinhalb Stunden lang". Und zudem jogge er "ein bissel".

 

Urij Makarov, der eigentlich Jurij mit Vornamen hieß, was aber bei seiner Behördenanmeldung in Deutschland falsch notiert wurde ("Och, das lass' ich jetzt so stehen"), stammt aus der Großstadt Ekibastus im Steinkohlerevier Kasachstans. Er, seine Frau und Sohn Daniel kamen vor 17 Jahren nach Deutschland. Verwandte lebten bereits hier. Er rang zunächst für den ASV Koblenz-Rübenach, dann für ASV Koblenz-Karthause. Besserer Arbeitsbedingungen wegen zog er nach Speyer.

Zum Ringen, in Kasachstan Volkssport, fand Makarov mit sieben Jahren. Bis er 19 war, rang er regelmäßig. Dann ließen ihm das Studium der Elektrotechnik und der Beruf  keine Zeit mehr dazu. Bis er und seine Familie nach Deutschland kamen.  - wk