Gewichtheben – Auch ohne fünf Spitzenleute

Auftakterfolg des Titelverteidigers in Durlach: 855,4:718,6:855,4 (3:0)

KARLSRUHE-DURLACH. Mit 855,4:718,6 Kilo- und 3:0 Mannschaftspunkten erfolgreicher als erwartet startete Titelverteidiger AV 03 Speyer beim 1. KSV Durlach in die Saison 2017/18 der A-Gruppe der 1. Gewichtheber-Bundesliga ("Rheinpfalz am Sonntag" informierte).

"Unsere Serie hält. Zum letzten Mal verloren haben wir im Dezember 2014 in Obrigheim". So freute sich AV-Abteilungsleiter Frank Hinderberger über den Sieg des viermaligen Deutschen Meisters. Aber ganz zufrieden war er nicht: "Gerne hätten wir um die 890 Kilopunkte gemacht". Dann wäre Speyer die beste Mannschaft zum Saisonstart gewesen. Besser als SSV Samswegen, Favorit der B-Gruppe. Der fertigte Eibau mit 875,9:541,2 und ebenfalls 3:0 ab.

Der Sieg im Karlsruher Stadtteil Durlach bestätigte freilich eine Einmaligkeit im deutschen Gewichthebersport. Um erfolgreich zu sein, "können  wir uns es leisten, gleich auf fünf Leute der Superklasse zu verzichten", wie es Ehrenvorsitzender Friedel Hinderberger ausdrückte.

Das ist zumindest zum Rundenbeginn möglich. Da steckte es der Athletenverein weg, dass er ohne die sich nach Verletzungen noch schonenden Almir Velagic und Jürgen Spieß antreten konnte, ohne die vom spanischen Verband wegen eines Lehrgangs nicht freigegeben Spanier Josué 'Brachi Garcia und David Sanchez Lopez und auch ohne die starke Belgierin Anna van Bellinghen.

Den Ausfall all derer machten die Speyerer Neuzugänge nicht ganz wett. Zwar bewies die Stockholmerin Patricia Strenius (69,2 kg Körpergewicht) ihr  Hantelvermögen mit 222 Zweikampf-Kilogramm nach (97 kg Reißen, 125 kg Stoßen) und demonstrierte ihre Erfahrung, indem sie nach "geschmissenen" 95 kg gleich zwei Kilo mehr auflegen ließ und sie auch hoch brachte.

Dagegen unterliegen dem Slowaken Matej Kovac vier Fehlversuche. Er ließ zwar nach seinem jeweiligen Scheitern ebenfalls mehr Last auflegen, packte sie aber nicht. Und musste im Reißen nach 155 kg bei 160 und 162 kg passen und im Stoßen nach 190 kg bei 195 und 200 kg. Der mit sich unzufriedene Schwergewichtler aus Kosice erklärte dies "mit einem schweren Wettkampf" in seiner Heimat in der Vorwoche.

Glanz über Speyer brachten Tom Schwarzbach (145+185 = 330 Zweikampf-Kilo und mit 157,5 kp bester AV-Heber), der nach langer Zeit wieder beschwerdefrei loslegende André Winter (120+155 = 275 Zweikampf-Kilo = 127 kp), der mit 340 Zweikampf-Kilo (157+183) erneut seine Norm für die bevorstehende U 23-Europameisterschaft erreichende Björn Günther und Alexej Prochorow. 133,8 kg schwer, wuchtete der Nationalathlet 370 kg im Zweikampf hoch, verzichtete in Anbetracht des deutlichen Vorsprungs seiner Mannschaft nach 200 gestoßenen Kilo auf eine Steigerung und kam trotzdem auf 141 Kilopunkte. Die anwesenden Rekonvaleszenten Velagic und Spieß registrierten es zufrieden.

Nur drei der insgesamt zwölf Athleten und Athletinnen "standen" alle ihre Versuche. Das waren neben dem Durlacher Neuzugang Manushi Redon aus Frankreich und Kevin Schweizer die Speyerer André Winter und Björn Günther.

Der Siegesfreude zum Trotz wurmte es Meister Speyer etwas, in der (inoffiziellen) Einzelwertung mit Schwarzbachs 157,4 Kilopunkten nur Dritter geworden zu sein. Die Plätze eins und zwei besetzten der gebürtige Kameruner Franzosen Bernardin Kingue Matam aus Besancon mit 174 kp und Manushi Redon aus St. Maures-des-Fossés im Großraum Paris mit 162,6 kp. - wk

 

SO KÄMPFTEN SIE

Durlach: Lena Bopp (57,5 kg) 50 kg Reißen, 62 kg Stoßen = 112 kg Zweikampf = 67 Kilopunkte. - Natascha Scharnberg (58,6) 54, 71 = 125 = 78. - Yannik Staudt (69,2) 107, 140 = 247 = 114. - Bernardin Kingue Matam (72,8) 140, 175 = 315 = 174 (1. der Einzelwertung). - Manushi Redon (93,7) 165, 185 = 350 = 162,6 (2.). - Kevin Schweizer (96,3) 135, 180 = 315 = 123.

Speyer: Patricia Strenius (69,2) 97, 125 = 222 = 150. - André Winter I(76,0) 120, 155 = 275 = 127. -  Tom Schwarzbach (86,3) 145, 185 = 330 = 157,4 (3.). - Björn Günther (101,3) 157, 183 = 340 = 141. - Matej Kovac (105,3) 155, 190 = 345 = 139. - Alexej Prochorow (133,8) 170, 200 = 370 = 141. -  wk